Worum geht’s?

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Gestern

Yesterday

Es gab da so einen Moment in der Grundschule. Meine Lehrerin sagte, dass mein Geburtsort Arnsberg und Deutschland nur ganz klein sind. Das hab ich nicht geglaubt, weil mir damals alles so groß und weit vorkam. Dann zeigte sie der Klasse einen Globus und mit dem Zeigefinger auf Deutschland. Mit einem Stift malte sie einen kleinen Punkt für Arnsberg. Und da hat es Klick gemacht und der kleine Tobi verstanden, dass die Welt größer ist als Arnsberg. Daran erinnere ich mich heute noch. Und irgendwann – wohl Jahre später – hat der kleine Tobi sich gedacht, dass es ja eigentlich ziemlicher Quatsch wäre, sein ganzes Leben in nur einem Land zu verbringen, wenn die Welt doch so groß ist. Nun, der kleine Tobi wurde größer und größer und im Laufe der letzten 30 Jahre wurde er zu mir ;-)

Ich hatte eine tolle Kindheit. Ich bin mit der Natur aufgewachsen, hab Hütten gebaut, Fussball gespielt, die Ruhr unsicher gemacht und Dinge gemacht, die ein kleiner frecher Bengel wohl so macht. Ich ging artig zur Schule, kam aufs Gymnasium und musste mich zum ersten mal anstrengen, um die Schuljahre zu schaffen – oder auch nicht. Ich bekam Pickel, verknallte mich, hab Liegestützen und Sit-Ups gemacht, trank mein erstes Bier, bekam den ersten Korb, hatte den ersten Kater und lebte das Leben eines Teenagers mit allen weltbewegenden und lebenswichtigen Höhen und Tiefen ;-)  Irgendwann habe ich gemerkt, das mir dieses ganze Computerzeugs Spaß macht und ich das auch gut kann. Also bin ich runter von der Schule und hab ne lustige Ausbildung zum IT-Fuzzi gemacht. Danach hab ich einige Jahre gearbeitet und gemerkt, dass die studierten IT-Fuzzis viel mehr wussten als ich und ging dann auch studieren. Hauptsächlich wohl aber auch, um nochmal weniger zu arbeiten und um mehr zu feiern ;-)

Nach und auch schon während des abgebrochenen Studiums ging ich wieder arbeiten. So verging Jahr für Jahr und ich hab gut vor mich hin gelebt mit meinem Alltagstrott. Beschweren darf ich mich gar nicht, denn ich bin mit jedem meiner 30 Lenze völlig zufrieden. Wie jeder, hatte ich Höhen und Tiefen im Leben. Scheiss Zeiten und gute Zeiten. Aber im Großen und Ganzen hatte ich bisher bessere 30 Jahre als die meisten anderen Menschen. Ich hab viele tolle Leute kennengelernt, in vielen Städten gelebt, bin ein bisschen gereist und hab viel erlebt. Trotzdem hatte ich dabei immer im Hinterkopf, dass ich mal weg will. Immer ein wenig Fernweh. Deutschland war auch immer noch nur Daumengroß auf dem Globus. Und so nett es auch ist, ich hatte immer das Gefühl, dass das ja noch nicht alles sein kann.

Heute

Today

Seit einiger Zeit verspüre ich den Drang nach mehr Freitheit. Ich möchte nicht mehr jeden morgen zu Arbeit gehen, den ganzen Tag auf einem Bürostuhl verbringen und den Himmel nur durchs Fenster betrachten. Ich möchte nicht die nächsten 30 Jahre meines Lebens im Büro hocken. Dabei hab ich noch Glück: Programmieren macht mir Spaß und ich verdiene damit als IT-Fuzzi gutes Geld. Viele andere Menschen haben dieses Glück nicht. Und trotzdem bin ich irgendwie durch diese Konsumgesellschaft gefesselt an den Bürostuhl.

Wenn man ein wenig Geld verdient vergibt die Bank schnell und gerne Kredite mit horrenden Zinsen. Durch BaföG, Studiengebühren und nicht zuletzt auch durch meinen herausragend schlechten Umgang mit Geld kamen in den letzten 10 Jahren ein großer Misthaufen an Schulden zusammen, die mich daran hindernten aus meinem Alltagstrott auszubrechen. Ich rate allen: Macht niemals Schulden! Denn sie sind eine Fessel! Daher werde ich nun versuchen meine Geldausgeberei zur Geldsparerei zu machen, um alle meine Schulden abzubezahlen und mein neues Leben zu leben. Dazu bin erstmal ich in die Schweiz ausgewandert, da man dort immens mehr Geld als in Deutschland sparen kann. Und wenn ich’s schaffe, dann mache ich mich Anfang 2014 auf den Weg! Und wenn ich soweit bin, dann lebe ich meinen Traum :-)

Morgen

Tomorrow

Ich hab keinen genauen Plan. Ich will auch keinen. Ich weiß nur, dass ich reisen will. Ich will Leute und Länder kennenlernen. Ich will frei sein. Ich will andere Kulturen kennenlernen und tolle Dinge erleben. Andere Speisen essen und andere Getränke trinken. Vielleicht kaufe ich mir zum Aufbruch einen alten Bulli und reise durch Osteuropa in den Süden bis in die Türkei. Und von dort dann mit ‘nem Schiff oder der Bahn nach Asien. Per Bus, zu Fuss, mit der Bahn, dem Flugzeug, per Schiff, per Anhalter, nem Fahrrad oder auch Motorrad will ich reisen. Was sich grade so anbietet. Über Australien und Neuseeland dann nach Südamerika. Dann über Nordamerika zurück nach Europa. Das ist der grobe Plan :-) Vielleicht komm ich in Europa an und weiß danach, wo ich hin will. Vielleicht hab ich nach ein paar Wochen schon kein Bock mehr zu Reisen. Vielleicht bleibe ich auch irgendwo hängen, weil ich meinen Platz gefunden hab. Wahrscheinlich werde ich in einigen Orten ein bisschen länger bleiben, um Geld zu verdienen. Ich bin mir nur sicher, dass nichts sicher ist :-)

Das hört sich alles romantisch und naiv an. Aber das ist mein Ziel. Mein Traum. Ich habe das Glück in Deutschland geboren und aufgewachsen zu sein und somit auch die Freiheit, mir diesen Traum zu erfüllen. Ich weiss, wie plötzlich ein Leben vorbei sein kann. Und ich habe nur dieses eine Leben. Und das soll glücklich und erfüllend sein.

Tobi am 12. April 2012

One comment to [de]Worum geht’s?[/de][en]What is this about?[/en]

  • Birgit Kitzelmann  says:

    Na, das hört sich doch alles gut an! wenn Du mal Hilfe brauchst, Du weisst hoffentlich, in welchem “Fliegenschiss” im Daumennagel-großen deutschland ich hocke. Kann Dir vielleicht auch ein paar Menschen in der ” großen, weiten Welt” näherbringen, die Dir auf Deiner Reise weiterhelfen können. Wenn Du magst :)… erstmal viel Spaß beim Radeln, schöne Grüße an Deinen Kumpel Sebastian. Hab´Dich lieb und freu mich auf Deine Ankunft im Rheinland :))) xx

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